Ontologie durch Umgang


Wenn die Teile eines Hierseiende selbst Hierseiende und also veränderlich sind, was macht dann ein Hierseiendes als dieses oder jenes Hierseiendes aus? Welche Teile müssen zu einem Hierseienden gehören, damit es eine hierseiende Katze ist? Dies ist keine ontologische Frage, sondern eine erkenntnistheoretische und logische Frage. Denn die Zuschreibung, ein Hierseiendes sei eine Katze, ist Daseiendes und von dieser verschieden. Nimm das Schiff des Theseus: Es ist eine Kopie, die unter Verbrauch des Originals entsteht und dieses also ersetzt. Das ursprüngliche Schiff wird im Verschwinden daseiend. Deine Bezeichnung des Schiffs als „das Schiff des Theseus“ ist ebenfalls Daseiendes und vom hierseienden Schiff getrennt. Denke dir einen nackten Kaiser, der in den Garten tritt: Seine neuen Kleider sind ebenfalls Daseiendes.

Je größer dein Umgang mit Hierseiendem ist, desto mehr ontologische Qualitäten bringst du aus seinem Hiersein hervor: Ausdehnung und Form bedingen Gehalt und dieser bedingt Gewicht, diese wiederum Dichte. Gehalt und Gewicht sind nachgeordnete Qualitäten des Hierseins, weil sie einem Hierseienden erst durch epistemologisch Vermittelung, also durch Umgang zukommen.
Wenn du mit der Katze nur Umgang durch sinnliche Wahrnehmung pflegst, zeigen sich von ihrem Hiersein lediglich die Qualitäten von Position, Lage, Ausdehnung, Form und oberflächlicher Beschaffenheit: Du siehst sie auf dem Stein sitzen und berührst ihr Fell. Erst wenn du sie hochhebst, zeigt sich ihr Gewicht, der einen Gehalt nahelegt, welcher sich zeigt, wenn sie dich dann ankotzt.

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