Ontologischer Status der Sprache


Welchen ontologischen Status hat die Sprache? Ist sie Daseiendes oder Hierseiendes? Was ist sie, wenn man schweigt, was ist sie, wenn jemand spricht?
Die Sprache als die Sprache überhaupt, nicht das Sprechen, ist immer Daseiendes, weil sie immer abwesend, aber vorstellbar ist. Wäre sie es nicht, gäbe es kein Sprechen. Das Gesprochene oder Geschriebene jedoch ist nicht mehr die Sprache. Es ist als Hierseiendes so ähnlich wie der verschollene Freund nach seiner Rückkehr: Es ist ein Hierseiendes, das einem Daseienden nur ähnelt und vor diesem hervortritt, genauer: sich vor dieses stellt.

Diese Buchstaben sind Hierseiendes, ihre Bedeutung ist Daseiendes.

Wenn Schreiber und Leser verschieden sind, sind sie für einander beim Schreiben und Lesen auch Daseiendes. Genau überlegt ist das auch der Fall, wenn du dem Schreiber beim Schreiben über die Schulter siehst und mitliest; es ist sogar dann der Fall, wenn er vor dir steht und mit dir spricht: Der sprechende oder schreibende Mensch ist Hierseiendes, der meinende Mensch ist Daseiendes.

Das musst du beachten, wenn du an den Anfang deiner Ontologie die Szene (!) am Weiher stellst! Sie ist ontologisch genauso gut wie eine Photographie es wäre. Was du siehst, ist gewiss Hierseiendes, wenn du es aber beschreibst, wird es Daseiendes.
Die Buchstaben sind Hierseiendes, das beschriebene Bild als Vorstellung ist Daseiendes. Was du im Umgang mit den Buchstaben dem Hierseienden hinzufügst ist Dasein: Im Lesen gibst du Bedeutung, die Dasein ist, so wie du im Betrachten Hiersein gibst.
Das, was konkret gesehen wird, hat Hiersein – und Hiersein ist körperliche Anwesenheit. Dasein dagegen ist geistige Anwesenheit oder – Bedeutung.

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