Zeichen und Wunder


Im morgendlichen Hauptschulkurs stelltest du klar: Wer keine Lust auf Deutsch hat, soll Bescheid sagen und nicht mehr kommen. Du würdest niemanden verpfeifen, der mit Ankündigung zu Hause bleibt. „Ihr müsst die Prüfung schreiben, nicht ich.“
Das Angebot sei sehr verlockend, hieß es darauf von den meisten, und so ist dir das auch recht: Lieber machst du Unterricht mit zwei, drei interessierten Leuten als mit auch nur einem einzigen in der Klasse, der nur anwesend ist, weil er anwesend sein muss und das auch jeden spüren lässt.
Dieser Kurs ist ein Angebot. Wer es nicht annehmen will, lässt es bleiben und soll alleine zurechtkommen. Natürlich ist es zynische Überforderung, diesen Riesenbabys die Entscheidungsgewalt von Erwachsenen zuzumuten; aber man könnte es auch didaktische Überforderung nennen.
Nachmittags lief es besser, weil die Leutchen dort wesentlich motivierter sind: Sie wurden eben nicht von der ARGE in den Kurs gesteckt, um die Statistik zu schonen, sondern nehmen freiwilig teil.
Als du umständlich das Wort „ausweisen“ erklärtest und warum Rechtsstaaten niemanden ausweisen, der von Krieg oder politischer Verfolgung bedroht ist, merkt auf einmal eine Teilnehmerin auf und behauptet steif und fest, die RAF sei in Deutschland auch politisch verfolgt worden. Und schon entsponn sich eine Diskussion darüber, wann jemand als Krimineller verfolgt wird und wann aus politischen Gründen. Zeichen und Wunder!

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