Nachtrag zur Verfallsgeschichte


Gestern hast du mit einem scheinbar negativen Ausblick auf den Verfall der US-Demokratie geschlossen: Die von Trumps Präsidentschaft aufgeschreckten Gebildeten, die ihre Republik von einer Sache der Vermögenden wieder zu einer Sache der Öffentlichkeit machen wollen, könnten zu spät kommen, um die Idee einer liberalen, humanen Gesellschaft zu retten.

 

Nur scheinbar negativ ist dieser Ausblick, denn die Alternative – das sanfte Hinabgleiten in die dunkle Nacht, frei nach Dylan Thomas – ist wahrlich schaurig. Eine würdelose Welt, in der der innere Drang zum vernehmbaren „Nein!“ im Angesicht der Falschheit durchweg mit den Worten abgetan wird: „Ach, das bringt doch eh nichts.“

Die Bürgermeister und Gouverneure, die ihren Widerstand gegen den xenophoben Furor ihres Präsidenten erklären, die Politiker außerhalb der USA, die sich nicht auf die neue (alte) Bullypolitik einlassen wollen, die Satiriker und Journalisten, die nicht aufgeben oder sich selbst zensieren, obwohl ihre Arbeit sinnloser denn je erscheint, und nicht zuletzt die unzähligen Frauen, die mit dem „Women‘s March“ die Trump-Inauguration in den Schatten stellten, – sie alle verteidigen die Würde der Demokratie gegen die äffische Unterwerfung vor dem Triumphator, gegen den Zynismus und die Bigotterie. Das täten sie nicht, wäre es leicht, lohnend oder sicher:

„Der absurde Mensch sagt ja, und seine Anstrengung hört nicht mehr auf. Wenn es ein persönliches Geschick gibt, dann gibt es kein übergeordnetes Schicksal oder zumindest nur eines, das er unheilvoll und verachtenswert findet. […] Derart überzeugt vom ganz und gar menschlichen Ursprung alles Menschlichen, ein Blinder, der sehen möchte und weiß, daß die Nacht kein Ende hat, ist er immer unterwegs. […] Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen.“ (Camus, Der Mythos des Sisyphos)

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