Vor einem Jahr hast du …


Vor einem Jahr hast du daraus, dass es dein Umgang ist, der Hierseiendes von Daseiendem unterscheidet und mehr noch: überhaupt die Bedingung der Möglichkeit von Hiersein und Dasein ist, gefolgert: Dein Tod ist der Untergang der Welt.
Nun hast du endlich die Stelle gefunden, in der good ol‘ Heidegger dir im ersten Satz widerspricht und im zweiten beipflichtet:

„Seiendes ist unabhängig von Erfahrung, Kenntnis und Erfassen, wodurch es erschlossen, entdeckt und bestimmt wird. Sein aber ‚ist‘ nur im Verstehen des Seienden, zu dessen Sein so etwas wie Seinsverständnis gehört.“ (Sein & Zeit, S. 183)

Heideggers Argumente für eine von deiner Wahrnehmung („Umgang“) unabhängige Welt mögen so elaboriert sein wie die anderer, stets treffen sie auf gute skeptizistische Argumente oder eben das deine: Wenn und wo du nicht bist, ist es unerheblich, was dann und dort ist, denn du kannst keinen Umgang damit pflegen – es betrifft dich nicht.

Wenn ein Baum umfällt, und du bist nicht da, um ihn stürzen zu hören, macht er natürlich ein Geräusch, nämlich ein daseiendes, dann und nur dann wenn du es dir vorstellst. Doch wenn du nicht nur nicht da, sondern auch nicht mehr hier bist, gibt es das Geräusch gar nicht mehr.

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