Nichts ist zu weit hergeholt…


…wenn es um die Begründung von Kriegen geht. Die Meldung der Woche, wonach die USA iranische Attentatspläne vereitelt haben, hat – bis auf die üblichen Verdächtigen – niemanden so recht überzeugt.
Als Vorwand für einen Krieg oder zumindest Militärschlag gegen den Iran scheint die Story vom Gebrauchtwagenhändler, der mithilfe eines mexikanischen Drogenkartells den saudischen Botschafter in Washington umbringen soll, durchgeknallt genug, um z.B. einem Computerspiel wie „Battlefield 3“ zu entspringen. Wie dort der Krieg begründet wird, erfährst du in zwei Wochen, wenn das Spiel kommt; vielleicht aber auch nicht.
Denn schon der Vorgänger „Battlefield: Bad Company 2“ bot einen Hintergrund, der ebenso unwahrscheinlich wie unerklärt war: In „BC2“ führen die Amerikaner – wie zuletzt in den Spielen der 80er Jahre – aus irgendwelchen Gründen Krieg gegen die Russen, die am Ende gar eine Invasion via Alaska starten. Yeah right.
Unterstützung erhalten die Russen dabei von den Südamerikanern, bei denen auch die meisten Missionen im Spiel stattfinden, was es dem Spieler gestattet, in ganz entzückenden Gegenden herumzuballern. Ob Atacama-Wüste oder kolumbianischer Dschungel – das sieht im Spiel alles ganz herrlich aus und entschädigt für die dämliche Hintergrundstory, ohne die es aber nicht geht.
Im Vorvorgänger „Battlefield 2“ von 2005 konnte man auf Seiten der USA, der Chinesen und einer panarabischen Koalition stehen. Konflikte zwischen China und USA im Pazifik könnten wohl eskalieren, drum wollen wir die Remakes der WKII-Schlachten gelten lassen. Aber die Spielerweiterung, die eine arabische Invasion (!) der US-Ostküste thematisiert, überdehnt es ins Beknackte. Doch nur so lässt sich in einem Computerspiel mit russischen T-90-Panzern ein Highway und eine Shopping Mall besetzen.

Stan Smith und Barry, ein Kumpel seines Sohns, spielen "Red Dawn"; in: MacFarlane, Seth et.al.: American Dad, With Friends Like Steve's, S1E22.

Stan Smith und Barry, ein Kumpel seines Sohns, spielen „Red Dawn“; in: MacFarlane, Seth et.al.: American Dad, With Friends Like Steve’s, S1E22.

Der Gedanke an einmarschierende Armeen vermag den damit vertrauten Europäer kaum noch zu beeindrucken, doch in den USA, die seit ihrer Gründung keine einzige Invasion erlebt haben (aber dafür viele andere Staaten damit beglückten), ist damit noch gut kokettieren. Schauriger Höhepunkt dieser Selbstheroisierung war „Red Dawn„, bezeichnenderweise Stan Smiths Lieblingsfilm, der 1984 den heroischen Kampf einiger High-School-Kids gegen die Invasion von Russen und Kubaner zeigte. (Once more: yeah right.)
Die Existenz dieses albernen Films ließe sich noch mit Reagans Evil Empire und Kaltem Krieg entschuldigen. Nicht jedoch das für nächstes Jahr angekündigte Remake, in dem Nordkorea die USA erobert. (…)

Entsprechend scheint das gegenwärtige Säbelrasseln gegenüber Teheran ein eher popkulturell als historisch begründeter Reflex zu sein. Allerdings bestätigt Sebastian Rotella bei Propublica – eine durchaus respektable Quelle -, dass der Iran tatsächlich mit südamerikanischen Drogenkartellen Geschäfte macht. Auch Rotella es aber für unwahrscheinlich, dass die iranische Führung das Attentat angeordnet hat und die Kartelle sich offen mit den USA anlegen würden.
Leider schreibt er nicht, wie wahrscheinlich es ist, dass die Revolutionsgarden zusammen mit südamerikanischen Paramilitärs, Todesschwadronen und Drogenringen in New Mexiko einmarschieren. Das nämlich, so ahnst du, ist die Hintergrundhandlung der ersten Erweiterung, die für „Battlefield 3“ erhältlich sein wird.

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