The Divided States (I): A House divided


Es braucht nicht erst Weimarer Verhältnisse für Weimarer Verhältnisse: Das Unikum eines Zwei-Parteien-Systems hat das, was es in den USA einst an politischer Dynamik gab, im Zuge seiner Polarisierung auf die Straßen und in die Medien verlagert. Der politische Riss zwischen Demokraten und Republikanern ist inzwischen größer als der zwischen ethnischen Gruppen und ökonomischen Klassen. Er zieht sich durch Familien und macht Feiertage wie Thanksgiving und Weihnachten zur Hölle. 39 % der US-Amerikaner haben laut einer PRRI-Umfrage von 2019 selten oder nie Kontakt mit Anhängern der anderen politischen Partei. 35 % der Republikaner und 45 % der Demokraten wären unglücklich, würde ihr Kind einen solchen Fremdwähler heiraten. 1960 waren es noch 4 %.

Das beschert Umzugsunternehmen wunderbare Umsätze und formt die politische Landschaft im Wortsinne. Fast zwei Drittel aller US-Amerikaner leben inzwischen in einem County, das mit einer übergroßen Mehrheit von 20 Prozentpunkten oder mehr demokratisch oder republikanisch wählt. 1976 ging das nur 26 % der US-Amerikaner so, wie Bill Bishop in CNN bemerkte.

Die politische Einstellung korreliere so zuverlässig mit dem Lebensstil, dass man das Wahlverhalten in einem Vorort am Abstand zwischen den Häusern erkennen kann. Am Warenkorb ohnehin: Eine Untersuchung des Magazins Politico zeigte 2018 eine Korrelation von politischer Zugehörigkeit und bevorzugten Marken, die über die Bestätigung der Vorurteile hinausging, Demokraten würden The Atlantic lesen und CNN gucken, während Republikaner in Guns and Ammo blättern, während im Hintergrund Fox News läuft. Jene haben ein iPhone in ihrer Old Navy Jeans, diese tragen Wrangler und tippen auf einem Samsung herum. Prius oder Pickup.

Demokraten und Republikaner leben im gleichen Land, aber in unterschiedlichen Welten. Die einen schreiben die Spaltung des Landes Unternehmen, Militär und Religion zu, die anderen den Parteien, Medien und Bildungsinstitutionen, worin erstere die Lösung des Problems sehen, während letztere glauben, die Menschen mit Jobs, Uniform und Bibel zusammenzubringen. Die Spaltung ist zu grundlegend, um sie nur auf unterschiedliche Ansichten zu Immigration, Mindestlohn und Waffenrecht zu reduzieren.

Einigkeit herrscht nur über den Niedergang: Mögen die Republikaner auch die demokratischen Sorgen wegen Klimakatastrophe, Covid-19-Pandemie, außenpolitischer Vereinsamung und innenpolitischer Spaltung als unpatriotische Schwarzmalerei abtun, in ihrem Wahlslogan „Make America Great Again“ spricht sich die Verunsicherung aus, der sie nicht ins Auge zu blicken wagen.

 

Wie die Parteien wurden, was sie sind

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