„Das kann ich auch.“


Dein Heimatstädtchen hat trotz seiner Provinzigkeit durchaus berühmte Leute hervorgebracht. Gemeint bist natürlich nicht du, auch geht es nicht um den Krimifritzen Klaus-Peter Wolf, der hier bloß wohnt und sich dafür feiern lässt, dass demnächst die ganze Stadt für die Verfilmung seiner Ostfriesenkrimis gesperrt wird.

Die Rede ist vielmehr vom Aktionskünstler und Maler „ter Hell“, dessen Werke du neulich in einer Bremer Ausstellung angekiekt hast. Mit seiner Heimatstadt hat er wohl nicht mehr viel am Hut, jedenfalls gab es in der Ausstellung nur ein Bild mit Bezug dazu. Es hat den Titel „Norddeich“ (oder „Norderney“? Ist schon ein Weilchen her…) und zeigt mutmaßlich das Watt:

Ter Hell: Norddeich.

Ter Hell: Norddeich.

Du kannst jeden verstehen, der da spontan denkt: „Na, das kann ich auch!“

Denn auch dir rauschte dieser Satz durch die hohle Birne, der den wahren Kunstbanausen kenntlich macht. Hier zum Vergleich ein jahrealter Schnappschuss aus deiner ollen Digicam vom gleichen Motiv:

Schneidegger: Norddeich.

Schneidegger: Norddeich.

Dieses doofe Denken lichtete sich auch nicht beim Starren in die Glotze, worin ein Video in Dauerschleife lief, das den Künstler zeigt, wie er barbusig mit Kippe im Mund eine Leinwand mit Besen und Eimern traktiert und wirres Zeug redet. „Das kann ich auch!“

Machste aber nicht!, und das ist der Unterschied zwischen Künstlern und denen, die es auch können, aber nicht machen! Sondern zum Beispiel die Sicherheit eines Brotberufs der Freiheit der Prekarität vorziehen.

(Das heißt aber nicht, dass Klaus-Peter Wolf, der erklärtermaßen nie von etwas anderem als seiner Schreibe leben musste, ein Künstler wäre!)

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