Gedankenexperiment zur Pest


Ein guter Trick, um die Beklemmung des medizinischen Laien bei einer Pest-Epidemie nachzuvollziehen, sofern das Werk eines Nobelpreisträgers nicht reicht: Man ersetze gedanklich die Pest-Infektion durch den Gebrauch der Worthülse „ein Stück weit“.
Zu Anfang hat es ja nur die erwischt, die ohnehin nicht darauf achten, welche Wörter sie in den Mund nehmen. Die gleichen Idioten ließen nichts mehr auf Herz und Nieren oder unter Belastung prüfen, sondern ordneten nur noch Stresstests an.
Dann mehrte sich die Zahl derer, deren Infektion dir irgendwie ungerecht erschien. (Wahrscheinlich wirst du in Tränen ausbrechen, wenn ein Kindergarten-Kind oder deine Nachhilfeschülerin dran ist…) Inzwischen ist es schwer, überhaupt noch jemanden zu finden, der nicht infiziert ist.
Und das macht dich schon ein Stück weit betroffen.

Nachtrag: Es gibt ja auch verschiedene Pest-Arten. Einige arme Schweine reden immer davon, irgendwas „ergebnisoffen“ und „zeitnah“ zu machen – statt arschoffen und dem Wahnsinn nah. Oder die nur langsam abklingende Epidemie der ohne grammatikalische Gnade mit „wobei“ eingeleiteten Hauptsätze. Wobei das wird wenigstens in der Schriftsprache wirklich seltener; im Gegensatz zum sich hartnäckig haltenden „wie gesagt“, das selbst bislang ungesagten Sätzen vorangestellt wird und auf diese Weise wie gesagt die gesellschaftliche Begründungsverdrossenheit zum Ausdruck bringt.

Ein Gedanke zu „Gedankenexperiment zur Pest

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