Plastik


In der empfehlenswerten achten Episode der ersten Staffel von „Futurama“ droht ein Asteroid aus Müll New York City zu zerstören. Er kann nur durch einen weiteren Asteroiden aus neuem Müll in die Sonne geschubst werden. Nachdem dieser frische Müllkomet nach Erfüllung seines Auftrags im Weltraum entschwindet und die Frage, was aus ihm wird, schlicht damit beantwortet wird, darum sollen sich kommende Generationen kümmern, läuft im Abspann das von Vera Lynn gesungene Lied „We‘ll meet again“, das eigentlich für Beerdigungen gedacht war und ist. (Aber nicht für ihre eigene: Die gute Frau hat im März ihren 101. Geburtstag gefeiert.)

 

„Und wer weiß, was es alles gäbe, wenn wir nicht mit dem Plastik angefangen hätten!“

– Marc Hieronimus, „Der Schritt zur Seite“, S. 199

 

Vorgestern machte eine Pilotstudie des österreichischen Umweltbundesamts und der Medizinischen Universität Wien die Runde, die erstmals Mikroplastik im menschlichen Stuhl nachgewiesen hat. Überraschend ist daran nur, wie schnell das ging. Die ersten Kunststoffe wurden vor etwa 100 Jahren entwickelt, die industrielle Massenproduktion von Plastik setzte kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Innerhalb von drei Generationen habt ihr neun Milliarden Tonnen von diesem Zeug hergestellt und weggeworfen. Luft- und Wasserströmungen haben den Plastikmüll noch in die entlegensten Winkel der Erde getragen. Ein Teil davon wird von der Meeresfauna aufgenommen, die qualvoll daran stirbt, und auf den Meeresboden sinkt, von wo das Plastik nach einer Weile wieder aufsteigt. Es zersetzt sich nicht, wird nur immer kleiner und saugt dabei die Giftstoffe, die ihr ebenso über den ganzen Globus verteilt habt, wie ein Schwamm auf.

(Photo: RitaE, pixabay.com, CC0)

Nun also kommt das ganze giftige Dreckszeug über die Nahrungskette zu euch zurück und in euch hinein. Das EU-Parlament hat ebenfalls diese Woche beschlossen, den Plastikmüll in Europa ab 2021 einzudämmen – wie ja in Umweltschutzfragen immer erst auf die Bremse getreten wird, wenn die Vorderräder schon über den Abgrund hinaus sind.

Wo bleibt das positive? Die Gesundheitsrisiken des Fleischkonsums sind durch das giftige Mikroplastik nun noch einmal um ein Vielfaches gestiegen. Vielleicht bewegt das manchen zur guten, alten Mäßigung, wenn es weder die Tierquälerei noch die Umweltzerstörung, die mit der modernen Massenproduktion von Fleisch verbunden sind, vermocht haben.

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