Der nächste US-Bürgerkrieg


Es braucht nicht viel Phantasie, um sich den nächsten US-amerikanischen Bürgerkrieg vorzustellen, wenn selbst eine weltweite Krise, die dann – wie Covid-19 – auch eine nationale ist, die Bevölkerung nicht vereinen kann. Das Hindernis ist ein Präsident, der ja schon mit der Amtsführung in ruhigen Zeiten überfordert ist.

Bill Maher ist spürbar genervt, von keinem der demokratischen Präsidentschaftsbewerber, die sich auf ein Interview mit ihm einließen, eine vernünftige Antwort auf die Frage bekommen zu haben, die vor einer Dekade oder einem Jahrhundert nur Wirrköpfen und Sci-Fi-Autorinnen in den Sinn gekommen wäre: Was machen Sie, wenn der amtierende Präsident seine Wahlniederlage im November nicht akzeptiert und sich einem friedlichen Machtübergang verweigert?

In einem solchen Bürgerkrieg hätten die sensiblen Veganer auf Seiten der Demokraten den schon jetzt bis an die Zähne bewaffneten Trump-Anhängern nichts entgegenzusetzen. Sie würden, mit dem Commander-in-Chief treu ergebenen US-Militärs und Geheimdienstapparaten, einen militaristischen Gottesstaat errichten, in dem ein menschliches Leben von der Zeugung an exakt so lange unantastbar ist, bis es die Gebärmutter verlassen hat. Danach ist es dem freien Spiel des Marktes unterworfen bzw. frei, sein Glück zu machen.

Nach der Revanche für die Schmach von Gettysburg wird die Sklaverei wiedereingeführt, heißt aber nicht so. Das Branding ist verbrannt. Wie es jedem, ob reich oder arm, untersagt ist, unter Brücken zu schlafen, hat jeder, ob reich oder arm, die Möglichkeit, ein lebenslanges Vertragsverhältnis nach dem Vorbild der Militärrekrutierung einzugehen, bei dem die Nachfrage nach Muskelkraft, Hirnschmalz, Ersatzorganen und/oder Geschlechtsteilen mit einem entsprechenden Angebot bedient wird.

Fremdenfeindlichkeit im Einwanderungsland – mitsamt der üblichen Komorbität einer Rechtschreibschwäche. (Screenshot aus GTA V, Rockstar Games)

Die „Ehe auf Zeit“ als legale Prostitution für die oberen Zehntausend gibt es auch im Iran und die repressive Sexualmoral ist dabei kein Widerspruch, sondern notwendiger Begleiter einer so verklemmten Bigotterie. In den USA dient Außenministerin Ivanka Trump als Aushängeschild und Vorbild, darf unverschleiert auftreten und nebenbei ihre Fashion Collection verchecken; die evangelikale Police of Vice und Virtue kontrolliert aber genau, wer sich was bestellt, um im Falle des Falles die „Harlots“ an ihre Pflichten zu erinnern.

Anders als im Iran tut sich aber die evangelikale Camarilla weder durch Gelehrtheit noch durch (wenigstens vorgebliche) Askese hervor: Mit Bibelstellen durchseuchte Vulgaritäten gegen den „inneren und äußeren Feind“ poltern unentwegt aus ihren gemachten Fressen auf das sedierte Mietsklavenheer ein, dem Protz und Prunk als Zeichen göttlicher Auserwähltheit gelten.

 

Es braucht wie gesagt nicht viel Phantasie – und 35 Jahre nach Margaret Atwoods „The Handmaid’s Tale“ kann man sich nur wundern, wie eine so begabte Schriftstellerin glauben konnte, die Anhänger des neoliberalen Autoritarismus, militanten Patriotismus und evangelikalen Messianismus würden die USA im Hauruckverfahren übernehmen können anstatt sich daran zu halten, wie man einen Hummer kocht.

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