Prioritäten


Greta Thunberg erzählt einmal, dass sie, als sie zum ersten Mal in der Schule von der menschgemachten Erderwärmung und deren Folgen erfuhr, das gar nicht glauben konnte. Wenn wirklich das auf euch zukäme, was die überwiegende Mehrheit der damit befassten Wissenschaftlerinnen vorausberechnet, müsste es in den Nachrichten doch um nichts anderes gehen als um diese existentielle Krise.

Es gibt Leute, die sich in ihrer jugendlichen Sorge um die Zukunft der Biosphäre von der Prioritätensetzung der Medienschaffenden beeindrucken ließen und Gretas Generation heute nur wünschen können, nicht dem Vogelstraußsyndrom zu erliegen. Einige sind Nachfolger derer geworden, die bestimmen, was wie viel öffentliche Aufmerksamkeit verdient. Sie haben im Dienste der Aufklärung auf einer Deutschlandkarte nachgewiesen, von wo bis wo Greta Thunberg auf dem Boden eines überfüllten ICE saß und von wo bis wo sie in der 1. Klasse bewirtet wurde.

Zuletzt verantworteten sie zur Menschwerdung des Menschen Sondersendungen über ein satirisches Kinderlied und nicht über den Redakteur, der darob eine Horde Nazis vor der Haustür hatte.

Das alles wäre leicht zu verstehen, wenn die Scheißestürmer in Rubel bezahlt würden oder die AfD der politische Arm der Erdölindustrie wäre wie die US-Republikaner. Da es aber nicht so ist, muss es mit der Prioritätensetzung im ausgehenden Jahr 2019 komplizierter sein – und viel einfacher.

Ihr rast mit 200 Klamotten auf einen Abgrund zu und diskutiert über das Radioprogramm, um euch nicht darüber streiten zu müssen, ob und wie sehr man vielleicht mal vom Gas gehen sollte, weil dann ja der Amerikaner oder Chinese vorbeiziehen könnte. Auf dem Rücksitz fragt sich ein völlig entsetztes Kind, ob denn alle verrückt sind oder ob es selbst verrückt ist, weil es eine Vollbremsung für akut angebracht hält.

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