Philosophie vormachen


Philosophie, richtig verstanden, heißt, sich nichts vorzumachen. Was darfst du also hoffen? Nichts. Es gibt keine Ziele, keine Träume und nichts zu erreichen. Es gibt nur das Hier und Jetzt und die Vernunft und die Sterne und die Tiere und das Licht.

Das ist den meisten zu wenig. Das empfinden all jene als Fahnenflucht oder Diebstahl, die dir etwas vormachen oder verkaufen wollen. Mit dem freien, und das heißt vor allem zweckfreien Denken macht man sich nicht beliebt.

Auf verlorenem Posten gegen jede Vernunft außer der Vernunft ausharren. Mit jedem Tag, den das gelingt, ist die Welt, die sich die meisten vormachen, widerlegt: Die Welt, in der ihr euch verkaufen können müsst; in der ihr unentwegt nach geheimnisvollen Kriterien bewertet werdet, um eine Bewährung zu erhalten; in der alles einen Zweck hat, weil dem überflüssigen Zeug einer angedichtet wird, um es ebenfalls verkaufen zu können.

Philosophie ist nicht das schöne oder gar edle Denkvergnügen, als das sie in Hochglanzmagazinen verhökert wird. Philosophie ist eine degenerative Hyperfunktion des Bewusstseins. Der methodische Zweifel nährt sich selbst, sobald er einmal entfesselt worden ist. Alles, ausnahmslos alles wirft Fragen auf. Kaum hat man eine unter Aufbietung aller Kräfte beantwortet, tun sich neue Fragen auf. Das Fragen selbst wird unsicher; welche Erleichterung verspricht da der Sprung in den Glauben, auf den festen Boden einer (Verschwörungs-)Theorie! Aber du kannst dir nicht vormachen, dass du dir je wieder etwas vormachen und darin Zuflucht finden kannst.

Rolling Stone im Geiste.

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