Heideggers Fronleichnam


Heideggers heutiger 40. Todestag fällt auf Fronleichnam. Das hat er sich ja gut ausgedacht. Der WDR bringt aus diesem Anlass ein Zeitzeichen mit der Hütte und Seinsfrage, dem Katholizismus und Aufstieg des Fundamentalontologen, dem Sprechen nebst O-Tönen von Peter Trawny, Hannah Arendt, Gadamer und Heidegger selbst, der das jammernde Vibrato katholischer Liturgie in die Philosophie bringt.

Sein Nazi-Engagement nimmt gebührenden Platz ein; Trawny kommentiert da als – gemessen an der kartellhaften Strukturen der Heidegger-Exegese – renegatenhafter Herausgeber der Schwarzen Hefte sehr kundig. Heideggers Sprache und Denken werden weder ehrfürchtig behandelt noch lächerlich gemacht. Der insinuierte Gegensatz zu Satz 7 aus Wittgensteins Tractatus jedoch will dir – erst recht nach der heutigen Korrektur von Frosts Wittgenstein-Essay für den nächsten Lichtwolf – gar nicht einleuchten. Der Gegenstand von Tractatus und Sein und Zeit ist der gleiche. Das Sein ist begrifflich nicht zu fassen und lädt darum zu mystischer oder gar religiöser Aufladung ein. Wittgenstein schreibt um das Sein herum, was sich sagen lässt. Heidegger schreibt auf das Sein zu und verliert die Sprache, um eine andere zu gewinnen.

Vom Kollegen Frost heute einiges über die mystische Ehrfurcht vorm Unsagbaren gelernt, die Wittgenstein im ersten Weltkrieg durch Tolstoi gewonnen hat.

Hach, man müsste mal wieder Ontologie machen…

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