Tabakernte


Tabakanbau kostet Zeit, Nerven und Geld, dafür ist die Beschäftigung damit recht mußevoll und die Ernte so Bio wie nur was.

Tabakanbau kostet Zeit, Nerven und Geld, dafür ist die Beschäftigung damit recht mußevoll und die Ernte so Bio wie nur was.

Der heimische Nutzpflanzenanbau hat alle Eigenschaften eines Hobbys: Er kostet Zeit, Nerven und Geld, dafür ist die Beschäftigung damit recht mußevoll und die Ernte so Bio wie nur was. Bloß preiswerter lebt es sich damit nicht. Deine Überlegungen, ein wenig deiner Kartoffelüberschüsse an der Straße zu verchecken, haben sich beim Blick auf den Kilopreis erledigt: Einen lumpigen Euro könntest du zur Zeit dafür verlangen.
Mit dem Tabak verhält es sich ziemlich genauso. Die Samen kann man sich via Internet für ein paar Euro ordern, aber dann geht es auch schon los: Tabaksorten wie Virginia und Burley brauchen einen sandigen, gut gepflegten Boden und eine Menge Sonne wie Wasser. In Versorgungsdingen geht es ja nicht bloß um CO2, sondern auch um Wasserverbrauch – und der ist bei einer Tabakplantage irrsinnig.

Im Frühsommer hast du deine Pflänzchen hauptsächlich in Blumenkästen ausgepflanzt - das hält sie mobil.

Im Frühsommer hast du deine Pflänzchen hauptsächlich in Blumenkästen ausgepflanzt – das hält sie mobil.

Im Frühsommer hast du deine Pflänzchen hauptsächlich in Blumenkästen ausgepflanzt – das hält sie mobil. Sie folgen dem Lauf der Sonne und wenn es zu stark regnet oder stürmt, kommen sie ins Treibhäuschen. Der Sommer war eine einzige Dürreperiode und du hast eimerweise Wasser in die Kästen schütten müssen; der große Sturm, der landwärts gar einen bäumeplättenden Tornado geboren hat, knickte dir einige der rasch hochschießenden Tabakpflanzen um.
Wie machen die das bloß auf Kuba, wenn da ein ganz Hurrikan in die Plantage knallt? Zum Glück bildet der Tabak ein weitläufiges Wurzelwerk aus und wächst auch krumm und schief munter weiter. Irgendwann im Juni kamen dann die ersten Blüten.

Irgendwann im Juni kamen dann die ersten Blüten.

Irgendwann im Juni kamen dann die ersten Blüten.

Schön und gut sind die; es wäre auch nicht unvernünftig, sie weiter reifen zu lassen, um Samen fürs nächste Jahr zu erhalten. Der Tabak ist eng verwandt mit Kartoffel und Tomate (das machen schon die ursprünglichen Bezeichnungen deutlich: tobacco, potato, tomato) und so hat seine „Frucht“ auch große Ähnlichkeit mit deren Früchten. Die Blüte verdorrt irgendwann, übrig bleibt eine fleischige Kapsel, die wie eine Tomate anschwillt und die Samen enthält; nicht komplett verzüchtete Kartoffelpflanzen machen das ebenso und vermehren sich sowohl über- als auch unterirdisch, was zu wahren Kartoffeldschungeln in den Anden führen muss.
Die Blüte jedoch ist hier kontraproduktiv, denn das ganze leckere Nikotin soll ja in die Blätter, nicht die Blüte. Also werden die Tabakpflanzen „geköpft“; wenn sie neue Triebe und Geize ausbilden, werden die abgebrochen. Überzeugt davon, ihren Dienst an der Gattung für die Saison geleistet zu haben, wachsen die Pflanzen weiter und werden herbstlich.

Von unten nach oben verfärben sich die Blätter dann langsam von grün nach gelb. Seit August gehst du alle paar Wochen durch und zupfst die reifen Blätter von den Stengeln.

Von unten nach oben verfärben sich die Blätter dann langsam von grün nach gelb. Seit August gehst du alle paar Wochen durch und zupfst die reifen Blätter von den Stengeln.

Schädlinge

Als kleines Apropos: Letztes Jahr gab es hier eine spektakuläre Marienkäfer-„Plage“, während der ganz Ostfriesland rot mit schwarzen Punkten war. Dieses Jahr sind die Läuse zurück – u.a. auf dem Tabak, der so giftig dann ja nicht zu sein scheint.

Läuse mögen Tabak.

Läuse mögen Tabak.

Tabaks Schwester, die Kartoffel, lagert ebenfalls Giftstoffe in ihren Blättern ab, um sich vor dem hungrigen Insektenpack zu schützen, und doch knabbern die Schnecken daran herum, abgefahrener noch: Sogar der giftige Tabak wird im Freiland von Nacktschnecken angenagt.

Sogar der giftige Tabak wird im Freiland von Nacktschnecken angenagt.

Sogar der giftige Tabak wird im Freiland von Nacktschnecken angenagt.

Der Lausbefall des Tabaks ist indes nicht so schlimm wie der Schneckenfraß, denn die Läuse tun den Blättern nichts. Vielleicht wissen sie sich auf ihnen sicher vor giftempfindlicheren Fressfeinden wie Marienkäfer und Schlupfwespe. Auf jeden Fall taugen sie als Reifemarker, denn sie halten sich ausschließlich auf den oberen Blättern auf, in denen der Nikotingehalt noch sehr niedrig ist – die also noch nicht erntereif sind.

Verarbeitung

Gesammelte Tabakblätter werden notdürftig im Wasserbad gereinigt. Sie sind mit feinen Härchen überzogen und ziemlich klebrig, weshalb sich im Laufe eines trockenen, stürmischen Sommers allerhand Dreck und Schrappzeug daran festsetzt.
Nun beginnt der wochen- oder monatelange Trocknungsprozess, in dem Blatteiweiße abgebaut werden, was das Zeug angenehmer zu rauchen macht.

Der getrocknete und durchfermentierte Tabak wird kleingeschnitten, mit Feinschnitt vermischt und dann mit einem Zigarettenstopfer in Filterhülsen befördert. Dem Produkt ist freilich anzumerken, dass in Ostfriesland (noch!) kein südamerikanisches oder türkisches Klima herrscht, und angesichts des Wasserverbrauchs und des Arbeitsaufwands ist fraglich, ob selbst angebauter Tabak eine lohnende Alternative zu Feinschnitt ist, der bei 8 bis 9 Cent pro Gramm zu kaufen ist.
Doch wer auch nach dem im kommenden Lichtwolf Nr. 31 prognostizierten Zivilisationskollaps weiterqualmen will, dem sei die Homepage www.tabakanbau.de ans Herz gelegt, wo man alles erfährt, was man dazu wissen muss.

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