Da steht ein Pferd aufm Flur


(Warum überhaupt „aufm“ und nicht „im“? Silbenzählen?) Heute war große Pferde-Action am Deich. Die ganze Nachbarschaft stand am Vormittag auf der Straße und überlegte, was mit den beiden Pferden zu tun sei, die hier herumstromerten.
Du geselltest dich bald dazu und tatsächlich: Ein riesiger brauner Hengst und ein schwarzes Shetland-Pony standen da im Garten und grasten. Beide sichtlich seit Tagen unterwegs, da ihr Fell schon ziemlich verschmoddert war.
Dabei waren sie ganz lieb und kamen immer wieder vorbei, um sich tätscheln zu lassen. Mal gingen sie hierhin, mal dorthin und keiner wusste, was zu tun ist.
Irgendwann kam die Polizei und war auch nicht schlauer, was sie jetzt mit den Pferden machen soll. „Bitte nicht erschießen“, meintest du zur ostfriesisch hemdsärmeligen Polente, die immerhin eine Pferdehalterin verständigt hatte, die angeblich alle Pferde in der Gegend kennt.
Die beiden Ausreißer waren derweil in den nächsten Garten gezuckelt. Schließlich traf die Pferdeflüsterin ein und nahm die Vierbeiner mit aus Jacken gebastelten Halftern in Gewahrsam. Dann kam noch ein weiterer Pferdekundler und schließlich war die schmale Straße hinterm Deich komplett vollgestellt mit Autos und Pferden.
Du hast den beiden noch etwas von dem Salat, den die Rehe nicht angerührt hatten, als Wegzehrung gegeben und dann wurden sie abgeführt, bis sich der Besitzer meldet oder die Untersuchungshaft aufgehoben wird.

Nach der ganzen Aufregung satteltest du „deine Pferde“ und brummtest nach Oldenburg, um Uni- und Landesbibliothek mal wieder heimzusuchen. Der ganze Campus menschenleer, in der Bücherei bloß ein paar fleißige Studenten. Zum Seufzen, dabei saß dir eine Vorpanik schon im Nacken und du machtest dich ziemlich schnell wieder vom Acker, da sogar der Kaffeeautomat in der Weihnachtspause war.
Das nächste Ziel war IKEA; wo du schonmal in der großen Stadt warst. Die Anspannung war durch den Großstadtverkehr bereits gestiegen und legte sich nicht gerade beim Anblick des Parkplatzes. Der Laden war gerammelt voll von Idioten. „Warum tust du dir das denn an?“, fragtest du dich halblaut, eingezwängt auf der Rolltreppe. Du hast schnell den Weg in die Katakomben gesucht, da du eine komplette Möbelhaus-Odyssee nicht überstehen würdest. Und selbst im kaufhausartigen Erdgeschoss bekamst du Zustände; einmal gar dachtest du, jeden Moment einem Herzkasper zum Opfer zu fallen. Du bemühtest dich, halbwegs zielstrebig und ohne Augenkontakte deine Einkaufsliste abzuarbeiten. Überall junge Pärchen schöner Menschen, die von ihrem Weihnachtsgeld die gemeinsame Wohnung aufhübschen wollen. Proletarische Fortpflanzen quengeln rum und auch sonst alles voller Gewimmel. Darin immerhin ein gelegentlich ansehnliches Frauenzimmer, manch einem bist du gar nachgegangen, um in diesem unterdrückerischen Hades optisch Atem zu schöpfen. Du warst höchstwahrscheinlich der einzige Mensch, der alleine hier war.
Lange Rede, kurzer Sinn: Knapp vorm Nervenzusammenbruch hattest du es durch die Kasse geschafft, wo dich der homo „sapiens“ ein letztes Mal bedrängte, ehe du dich zurück in den Faradayschen Käfig gerettet hast.

Wie es so ist nach einem IKEA-Einkauf, stellte sich alles als überteuert und unpassend heraus. Die Edelstahlfressnäpfe gab es nur noch in Hundegröße und ohne Noppen darunter. Die Bratpfanne ist zu groß für deine Herdplatte, die zusätzlichen Regalbretter für die Billy-Regale ebenfalls. Zwar hast du Billy-Bücherregale, aber der Scheißladen nennt ja alles von der Kommode bis zum Beistelltisch „Billy“, ohne dass die Einzelteile für den Krempel irgendwie kompatibel sind. Jetzt hast du hier zwei Spannplatten zu je 16 Euro rumstehen. Toll. Das einzige, was taugt, waren die zwei Kerzen, aber dafür hättest du nicht 120 Kilometer fahren müssen. Foxtrott Uniform Charlie Kilo!

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